Zahnarztpraxis

Dr. van den Busch

Oberneulander Heerstr. 12 / 28355 Bremen / Telefon: 0421 25 66 63

 

Pio Rahner

© Pio Rahner
« © Pio Rahner »

PIO RAHNER

Tomaten, Bananen, Erdnüsse, Wasser, Tee, Bier, Tüte und Kubus. Was sich wie ein Einkaufszettel liest, sind Bildmotive in der Ausstellung von Pio Rahner mit dem vermeintlich unmissverständlichen Titel Fotografie. Rahners junges Werk ist in Bremen ebenso unbekannt wie unalt. Sicher ist ein Grund dafür, dass er in Essen an der Folkwang Universität der Künste ausgebildet wurde und nicht in Bremen sozialisiert ist. Zu Beginn seines Studiums beschäftigt er sich fast ausschließlich mit dokumentarischen Strategien der Fotografie.

„Irgendwann war ein Misstrauen zwischen uns und damit war das Ende absehbar“. So beschreibt Pio Rahner seine Abwendung gegenüber der dokumentarischen Fotografie. Parallel dazu erstarkt ein Impuls, plastische Arbeiten zu formulieren. Ein Grund hierfür ist die Begrenztheit der Fotografie auf das Rechteck und auf den definierten Blick des Bildautors. Hier in dieser Ausstellung ist neben einer Bronzearbeit auch die Abbildung einer plastischen Arbeit zu sehen. Im Außenraum angeordnet, wird durch unzählig ähnlich dimensionierte Steine aus dem Material Laterit ein Kreis beschrieben, der einen Durchmesser von knapp 4 Meter aufweist. Trotz der offensichtlichen physischen Schwere des Materials, wirkt der Kreis wie ein auf die Erde gelegtes Tischtuch; also leicht. Der Eindruck entsteht dadurch, dass die Steine in Mulden und auf Anhöhen platziert sind und nicht auf einen ebenen Untergrund.

Zurück zur Fotografie. Einige Bilder geben auf den ersten Blick nicht preis, ob sie nun dem Diktum der Authentizität folgen und dokumentarisch strukturiert sind oder nicht. Dadurch reagieren die Fotografien, denen man impulsiv eine klare Komponiertheit unterstellt, flexibel und eventuell.

Auf einer zweiten Ebene lässt sich ein Spiel mit Zuschreibungen und Lesegewohnheiten vermuten. Sicher aber gibt es eine Nähe zur Malerei, was insofern nicht unerwähnt bleiben kann, weil sich in Rahners Biografie keine eindeutige Verbindung zur Malerei ablesen lässt. Nicht nur die Anordnung der einzelnen Objekte im Bildraum, aber auch die Farbbeziehungen innerhalb der präzisen Kompositionen lassen keine andere Formulierung als die einer malerischen Herangehensweise zu.

Im Gegensatz dazu wirken die Motive ob ihrer unprätentiösen Natur wie ein unfreiwillig komischer Kommentar zur Geschichte des Stilllebens, das ja tatsächlich seinen Ursprung in der Malerei hat. Ein eindeutiger Verweis auf das Stillleben in der Malerei, wird bei der Fotografie mit dem Titel ›Bananen‹ sichtbar. Der Hintergrund im Foto bildet eine schwarz-weiß Kopie eines Stilllebens eines unbekannten niederländischen Malers aus dem 17. Jahrhundert. Zusammengefügte Din A4 - Papiere hängen wie ein kraftloser Vorhang hinter einer Bananenstaude. Diese Staude ist auf einer Ebene arrangiert, die eher an eine Werkbank als an eine repräsentative Tafel denken lässt. Auf anderen Bildern ist eine Alltäglichkeit und Unaufgeregtheit deutlich abzulesen. Nicht extravagant oder außergewöhnlich werden einzelne Objekte in Ihrer natürlichen Umgebung durch das Fotografieren herausgehoben, ohne auf etwas anderes, als auf sich selbst zu verweisen. Keine Symbolik, keine Aufladung. Das Motiv in der Bildmitte, der Fotoapparat direkt gegenüber oder leicht erhöht. Ohne extreme Perspektiven.

Entstanden sind die Arbeiten zum Teil im Studio und zum anderen Teil während eines Arbeitsstipendiums in Westafrika unter freiem Himmel. Aufnahmen aus der Natur teilen sich den Ausstellungsraum mit Aufnahmen aus einer anderen Natur. Wenn man da Gegenüberstellungen oder Vergleiche vermuten würde, wird schnell eine Beziehung zwischen den einzelnen Bildern sichtbar, die über Textur und Farbigkeit verhandelt wird. Und wenn manche Motive häufiger thematisiert sind als andere, kann man nur über eine Statistik ausrechnen, worum es in dieser Ausstellung am ehesten geht. Aber darum geht es nicht, es geht um Fotografie.

Maria Poserneschke

Vita

Pio Rahner (geb. in Offenburg),
Studium der Fotografie an der Folkwang Universität der Künste.
Mit dem 12. Bremer Kunstsatelliten war Pio Rahner vom 22.10. bis
22.12.2016 Stipendiat in Christoph Schlingensiefs Operndorf Afrika in
Burkina Faso und wurde in Folge dessen 2017 zu der Ausstellung
‚Yam Wekreʻ im Nationalmuseum von Burkina Faso eingeladen.
Zur Zeit sind Arbeiten von Pio Rahner in der Gruppenausstellung
‚Torxʻ im FAK in Münster zu sehen.

zurück zur Übersicht